Das Naturvolk der Lumaris

Nun wird man sagen „Welche Geheimnisse oder Sorgen sollte ich schon in den Wald hinausbrüllen? Ich bin doch nicht verrückt und außerdem geht es niemanden etwas an, was mich beschäftigt!“
Aber so funktionieren die Lumari nicht. Sie hören und sehen nicht nur mit Ohren und Augen, vielmehr spüren sie die Belange der Menschen mit dem Herzen. Ein Physiker würde es als „Schwingung“ bezeichnen, ein Geistlicher würde es als „Gebet“ betiteln, ein Mensch vielleicht als „Bauchgefühl“ oder „Intuition“. Was auch immer es sein und wie auch immer man es nennen mag – da gibt es etwas zwischen den Welten des kleinen und des großen Volkes, was sie unsichtbar verbindet.

Leider stellten die Lumari fest, dass dieses Band immer dünner wurde. Es nahm Schaden, da scheinbar einige Menschen, ja sogar ihre Kinder, immer weniger Gespür für die Natur haben. Hastig, hektisch, laut und manchmal auch Dreck hinterlassend hasten sie durch das Unterholz, sorgen für Unruhe und beschweren sich lautstark, dass sie gar keine Tiere im Wald gesehen hätten. Aber sie sind doch alle noch da, die Tiere, die Pflanzen, die Lumari und nicht zueltzt die Gerüche des Waldbodens und das Rauschen des Windes in den Blättern.

Die Lumari beschlossen, das das unsichtbare Band zu den Menschen nicht zerstört werden dürfe, und so beschlossen sie, den Menschen helfen zu wollen.

Nun muss man wissen, dass die Lumari äußerst ungern auf sich aufmerksam machen und sich nur sehr selten zeigen – zu grausam waren die Zusammentreffen mit den Menschen in der Zeit der Aufklärung. Selbst ernannte Forscher fingen die Lumari und sperrten sie Zuhause in kleine Käfige um sie dort zu studieren. Aber Gefangenschaft tut keinem Lebewesen gut und sorgte für das Verblassen der Lumari und letztendlich für deren Tod. Deshalb wandte sich damals das kleine Volk von den Menschen ab und suchte gekonnte Verstecke in der Abgelegenheit der Wälder auf.

Zwischen Baumwurzeln und Moosen, dem dichten Blätterdach, das im Sommer kühlt und im Herbst warme Farben zeichnet, konnten sie sich erholen und manchmal auch, wenn kein Mensch in der Nähe war, auf kleinen Lichtungen und Hängen wieder Energie tanken. Im Wald ist kein Platz für Hektik, der Wald lebt seinen eigenen Rhythmus. So sehen es zumindest die Lumari und alles was im und am Wald lebt.

Doch wie tritt man in Kontakt, ohne sich zeigen zu müssen? Kleine Botschaften mussten her – und so kam es, dass die Lumaristeine das Mittel zur Kommunikation zwischen dem kleinen Naturvolk und den Menschen wurden.

Steine, ganz einfache – kunstvoll und mit viel Liebe bemalt, beglücken seitdem alle Wanderer auf den Wegen rund um das kleine Bergdorf Rott. Scheu, wie die Lumari sind, liegen diese Steine auch nicht wahllos auf dem Weg. Man muss also schauen und entdeckt vielleicht neben der wunderschönen Natur, auch seinen eigenen Rhythmus und einen Lumaristein, vielleicht nur mit einem Wort, einem Satz, einer Aufforderung oder einfach nur einem Muster.

Selten bleibt die Wirkung der Lumaristeine bei den Menschen aus. Einsamkeit findet einen kleinen Trost, Besorgnis weicht einem Lächeln, in schweren Herzen keimt etwas Hoffnung.

Manche Menschen machen Bilder, tauschen sich über die Steine aus, Kinder suchen mit großen Augen nach den magischen Botschaften – alles unter den wachsamen Augen der Lumari, die jedes Mal Zeugen werden, wie ihre kleinen Zeichen der Liebe und Aufmerksamkeit die Menschen wieder verbindet, wie Fremde einander von ihren Funden erzählen und Harmonie unter ihnen einkehrt.

Manche Lumaristeine reisen weit – manche bleiben im Extertal, einige werden getauscht oder als Geschenk für einen lieben Menschen mitgenommen, andere finden ihren Weg als Glücksbringer im Handgepäck oder in der Hosentasch, wieder andere Steine werden in fernen Städten wieder abgelegt um auch dort etwas Magie unter die Menschen zu bringen. So festigt sich bei jedem Fund das stille Band zwischen dem kleinen Volk und den Menschen. Und vielleicht gehört auch ihr zu den Menschen, die die sanfte Magie der Lumaristeine spüren können. Wie sie euch mit Wärme ihre leise Botschaft übermitteln

Nach einer Idee von Delia Rost überarbeitet von Katrin Lankau

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen